Die Internationale Organisation für Normung (ISO) hat einen bedeutenden Schritt zur Stärkung des Klimaschutzes unternommen. Im Rahmen der sogenannten „Climate Action Changes“ wurden bestehende und künftige Managementsystem-Standards aktualisiert, um den Klimawandel systematisch in den organisatorischen Kontext einzubinden. Diese Änderungen, die auf der Londoner Deklaration von 2021 beruhen, sind offiziell im Februar 2024 in Kraft getreten.
ISO-Update: Was genau wurde geändert?
Die Änderungen betreffen insbesondere die Kapitel 4.1 und 4.2 der harmonisierten Struktur (Harmonized Structure, HS) aller betroffenen Normen:
- Kapitel 4.1: Die Organisation und ihren Kontext verstehen
Organisationen müssen künftig untersuchen, ob der Klimawandel ein relevanter Faktor für ihre Tätigkeiten, Ziele und Risiken ist. Dies kann klimabedingte Veränderungen von Umweltbedingungen, Ressourcenverfügbarkeit oder regulatorischen Anforderungen umfassen. - Kapitel 4.2: Anforderungen interessierter Parteien verstehen
Unternehmen müssen prüfen, ob interessierte Parteien (z. B. Kunden, Behörden oder Lieferanten) spezifische Erwartungen im Hinblick auf den Klimawandel haben.
Diese Ergänzungen fördern ein holistisches Verständnis des Klimawandels als zentralen Aspekt in der strategischen Planung und Umsetzung von Managementsystemen.
Welche Normen sind betroffen?
Die Änderungen gelten für insgesamt 31 Managementsystem-Normen, darunter:
- ISO 9001: Qualitätsmanagement
- ISO 14001: Umweltmanagement
- ISO 27001: Informationssicherheit
- ISO 45001: Arbeitsschutzmanagement
- ISO 50001: Energiemanagement
Eine umfassende Liste der betroffenen Normen finden Sie in der vollständigen Erklärung von ISO und IAF. Künftige Standards werden diese Anforderungen bereits in ihrer Entwicklungsphase berücksichtigen.
Praktische Auswirkungen und Chancen
Die neuen Anforderungen bieten Unternehmen die Möglichkeit, ihre strategische Ausrichtung gezielt an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen.
- Analyse des Organisationskontextes
Unternehmen müssen prüfen, wie der Klimawandel physische Betriebsbedingungen, Lieferketten, Produktionsprozesse und Marktnachfrage beeinflussen kann. - Risikomanagement
Klimarelevante Faktoren müssen als Teil der Risiko- und Chancenbewertung in die Managementsysteme integriert werden. - Chancen für Innovation
Durch die Berücksichtigung des Klimaschutzes können Unternehmen neue Geschäftsfelder erschließen, etwa durch klimafreundliche Produkte, Technologien oder Dienstleistungen.
Auswirkungen auf Audits und Zertifizierungen
Da es sich bei dieser Veröffentlichung um eine Interpretationshilfe handelt, führt diese nicht zu einer Neuauflage der Normen. Eine Revision bestehender Zertifikate ist nicht nötig.
Allerdings werden Auditoren künftig prüfen, ob und wie Organisationen die neuen klimabezogenen Erwartungen und Forderungen umsetzen. Innerhalb eines Übergangszeitraums sollen diese Änderungen als Verbesserungspotenzial betrachtet werden, bevor man sie verbindlich bewertet. Wenn eine Organisation mehrere Managementsysteme betreibt (z. B. Qualitätsmanagement und Energiemanagement), muss sie sicherstellen, dass der Klimawandel in jeder anwendbaren Norm berücksichtigt wird.
Mit den neuen Anforderungen setzt die ISO einen klaren Akzent für den Klimaschutz. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, den Klimawandel nicht nur als Risiko, sondern auch als Chance zu betrachten. Lassen Sie uns gemeinsam an einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Ausrichtung Ihrer Organisation arbeiten.