PAUL DELOUCHE
Marine & Offshore Strategy Director
Strategien für die Dekarbonisierung der Schifffahrt
Die ehrgeizigen Klimaziele der IMO halten die Akteure der Schifffahrt auf Trab. Immer härtere Vorschriften stellen unsere Kunden vor enorme Herausforderungen, die weit über die Wahl des richtigen alternativen Kraftstoffs hinaus gehen. Um eine Flotte in eine nachhaltige Zukunft zu führen, gibt es zahlreiche weitere Maßnahmen, die unser Kollege Paul Delouche (Strategy, Acquisitions & Advanced Services Director Marine & Offshore) in seinem aktuellen Whitepaper „Decarbonization Trajectories“ beleuchtet. In diesem Interview gewährt er uns einen Blick hinter die Kulissen dieses Werkes.
Wie kam es zu der Idee für das Whitepaper?
Paul Delouche: Das Dokument sowie das beschriebene Modell, welches die Herausforderung der Dekarbonisierung der gesamten Schiffsindustrie aufgreift, gehen auf eine Studie zurück, die im letzten Jahr für eine Gruppe von Schifffahrtsbanken durchgeführt wurde. Sie haben die Poseidon-Prinzipien unterzeichnet und das Projekt stand unter der Leitung des Teams rund um Yohan le Gonidec von BV Solutions M&O France. Quentin Derbanne, der wissenschaftliche Leiter von BV M&O, hat zudem an den mathematischen sowie probabilistischen Aspekten des Modells mitgearbeitet. Angesichts der aktuellen Herausforderungen für die Schifffahrtsbranche wollten wir dieses entwickelte Modell an einen breiteren Kontext anpassen. So kam es zu der Idee für dieses Whitepaper.
Können Sie bitte aufzeigen, welche Personen und Abteilungen am Prozess beteiligt waren und ihren Beitrag geleistet haben?
Delouche: Es war eine Teamarbeit und der Höhepunkt dessen, was wir mit der Initiative des Future Shipping Teams bislang auf die Beine gestellt haben. Unser gemeinsames Ziel ist es, die interne Informationsverbreitung und Wiederverwertung von Studien zu verbessern, um unsere Sichtbarkeit sowie unser Wissen über die nachhaltige Schifffahrt nach außen hin zu stärken. Im aktuellen Fall des White Papers haben meine Kollegin Pauline Godignon aus dem Kommunikationsteam von Marine & Offshore und ich das Dokument federführend erstellt. Als Hauptautor war ich maßgeblich für die Abschnitte rund um die Vordenkerrolle der Branche verantwortlich. Nicolas Degorce, der erst kürzlich ins Nachhaltigkeitsteam von Advanced Services unter der Leitung von Benjamin Lechaptois eingestiegen ist, hat die technischen Seiten dieses Dokuments übernommen. Er war zum Beispiel dafür verantwortlich, das Modell zu erstellen, mit dem wir mögliche emissionsfreie Wege anhand verschiedener Szenarien untersucht haben und führte alle relevanten Simulationen für dieses Whitepaper durch. Zudem war er für die vergleichende Analyse zuständig, die die Verfügbarkeit der verschiedenen Rohstoffe in den unterschiedlichen Szenarien überprüfte. Um dem Ganzen einen klaren Gedankengang und den perfekten sprachlichen Schliff zu geben, haben wir außerdem mit der Verlagsagentur H&B zusammengearbeitet.
Wie lange hat es von der Idee bis zur Veröffentlichung gedauert?
Delouche: Von März bis Juni 2023 haben wir einen ersten, groben Entwurf als Basis für das White Paper erstellt. Zwischen Mitte September und Ende Oktober legten wir dann den Kontext, Inhalt und die Struktur fest. Daraufhin begann die Ausarbeitung der endgültigen Fassung, von der Ende November 2023 die erste gedruckte Version vorlag. Doch erst nachdem der Anhang hinzugefügt wurde, konnten wir das Whitepaper schließlich im Februar 2024 veröffentlichen.
Welche Art von Daten wurden für dieses Projekt verwendet?
Delouche: Wir haben eine Vielzahl interner und externer Quellen genutzt. Unsere größte Stütze waren Daten der IMO und renommierter Institutionen wie der Internationalen Energieagentur (IEA), die ihre Forschungen auf Netto-Null-Emissionsszenarien fokussieren. Auch verschiedene Analysen und Berichte wie die der UNCTAD haben wir verglichen. Darüber hinaus haben wir Unternehmen wie BRS Shipbrokers hinzugezogen, um Einblicke in die finanziellen Aspekte der oben erwähnten Ausgangsstudie zu erhalten, die für die Poseidon Principles Gruppe erstellt wurde. Andere Quellen wie das Concawe-Institut und der Wasserstoffrat haben uns geholfen, Informationen über die Verfügbarkeit von Rohstoffen für erneuerbare und kohlenstoffarme Kraftstoffe zu überprüfen. Am wichtigsten, waren jedoch unsere eigene, unschätzbare Ressource: das umfassende Fachwissen von Bureau Veritas. Der Austausch sowohl mit unseren langjährigen Kollegen als auch den frischen Absolventen bietet ein großes Spektrum an Ideen, Vorschlägen und Perspektiven für die Lösung von Problemen, die auf die Akteure der maritimen Industrie zukommen.
Was war Ihre größte Herausforderung im Schreibprozess?
Delouche: Nach dem Erfolg des Whitepapers zu alternativen Kraftstoffen wollten wir ein weiteres Nachschlagewerk schaffen, in dem man sich unterstützt durch mathematische Werkzeuge auf stabile Informationen verlassen kann, die Klarheit schaffen. Zudem möchten wir Impulse für die strategische Aufstellung der verschiedenen Akteure in der Schifffahrt mit Blick auf die zukünftige maritime Welt geben. Da trage ich als Hauptautor eine hohe Verantwortung (lacht). Meine größte Hürde während des Schreibens war es, prägnant zu sein und klare Aussagen zu treffen, die sich auf die wichtigsten Parameter konzentrieren und das Thema nicht trivialisieren. Unser Ziel war es, auf neutrale Weise zu informieren und das Gesamtbild der Dekarbonisierung zu vermitteln, ohne dabei eine bestimmte Technologie zu vernachlässigen.
Was möchten Sie Ihren Kollegen abschließend mit auf den Weg geben?
Delouche: Unsere Kunden, vor allem die kleinen und mittleren Reedereien, stehen derzeit aufgrund begrenzter finanzieller Mittel und der Informationsflut vor überwältigenden Aufgaben. Als Klassifikationsgesellschaft müssen wir jederzeit die objektive Brille tragen und die realen Bedingungen verstehen, mit denen unsere Kunden konfrontiert sind. Wir sind zwar unparteiisch, aber das bedeutet nicht, dass wir unbeteiligt oder unbesorgt sind. Viele unserer Marine & Offshore-Kollegen sind bezüglich der Folgen des Klimawandels aufgewühlt. Wir haben aber die Möglichkeit, eine noble Mission zu erfüllen und können unser Fachwissen weitergeben, um unseren Kunden bei ihren täglichen Herausforderungen zu helfen. Wie in der langen Geschichte von Bureau Veritas ist es auch heute unsere Aufgabe, das Wissen der Industrie zu stärken und positive Veränderungen in der Gesellschaft zu begleiten. Entsprechend unserer Grundwerte bemühen wir uns dabei, so bescheiden und ehrgeizig wie möglich aufzutreten und erheben nicht den Anspruch, der Branche eine Richtung vorzugeben. Stattdessen wollen wir getreu unseren Prinzipien für unsere Kunden ein Fels in der Brandung sein. Denn in einer Welt voller verschiedener Meinungen zur Zukunft der Schifffahrt, möchten wir über die Frage zum richtigen alternativen Brennstoff hinaus die Aufmerksamkeit auch auf eher unbeachtete Aspekte lenken. Einer der wichtigsten Gesichtspunkte bei der Umgestaltung der maritimen Welt ist der menschliche Faktor und unterschiedliche Meinungen sind genauso notwendig wie eine gemeinsame Vision, um den Fortschritt voranzutreiben.
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