IM GESPRÄCH MIT...
Thomas Vonach, CEO und Gründer von Subdron
Die Zukunft der Unterwasserinspektion
Wie ein Start-up vom Bodensee die Tiefen der maritimen Welt neu definieren will
Die Inspektion von Hafenanlagen und Schiffen unter der Wasseroberfläche ist eine essenzielle Aufgabe, die mit erheblichen Gefahren für Spezialtauchern verbunden ist. Das Aufspüren von Biofouling und strukturellen Schäden ist aber entscheidend für eine sichere und effiziente Schifffahrt. Hier greift Subdron ein: Das Start-up aus Österreich entwickelt smarte Unterwasserroboter, die mittels relativer Navigation autonom Daten in direkter Nähe zu Unterwasserstrukturen erfassen und verarbeiten können. Im Gespräch mit Bureau Veritas bietet Subdron-Gründer Thomas Vonach Einblicke in die Entwicklung dieser revolutionären Technologie.
Was hat sie dazu inspiriert, sich mit dieser speziellen maritimen Technologie zu beschäftigen?
Thomas Vonach: Meine jahrelange Erfahrung in der Deep-Tech-Branche, kombiniert mit meiner Leidenschaft für den maritimen Sektor, brachte mich dazu, Subdron zu gründen. Mir wurde bewusst, dass die fortschrittlichen Lösungen aus dem Verteidigungssektor hervorragend dazu geeignet sind, im Bereich der Unterwasserinspektionen neue und vor allem sichere Standards zu etablieren.
Welche Vorteile bietet Ihre Technologie und welche Lösungen möchten Sie der Schifffahrtsindustrie an die Hand geben?
Vonach: Unser eigens entwickeltes Navigationssystem ermöglicht es, Inspektionen nicht nur sicherer und schneller, sondern auch kosteneffizienter durchzuführen – selbst in engen Bereichen und bei null Sicht. Wir sind die Ersten, die mit der relativen Objektnavigation hochpräzise 3D-Rekonstruktionen von Schiffsrümpfen anfertigen können. Zudem nutzen wir Künstliche Intelligenz für die automatische Erkennung und Einordnung von Unregelmäßigkeiten und setzen Lernalgorithmen ein, um über die Zeit Veränderungen zu beobachten und vorauszusagen. So können wir beispielsweise Biofouling frühzeitig erkennen und präzise bestimmen, an welchen Stellen und in welchem Ausmaß es auftritt. Das vereinfacht nicht nur die Planung und Optimierung von Reinigungszyklen, sondern ist auch in Zeiten finanzieller Herausforderungen, wie sie etwa das Emissionshandelssystem mit sich bringt, von großer Bedeutung. Bereits ein biologischer Bewuchs von 2,5 Millimetern steigert den Treibstoffverbrauch und damit die Emissionen eines Schiffes um bis zu 34 Prozent. Zudem beschleunigt unsere Technologie den Inspektionsprozess im Vergleich zu herkömmlichen Methoden erheblich: Während die manuelle Kontrolle eines mittelgroßen Tankers oft mehrere Tage in Anspruch nimmt, bewältigen wir diese Aufgabe in wenigen Stunden. Und auch die Benutzerfreundlichkeit spielt bei uns eine zentrale Rolle: Wir konzipieren die Systeme so, dass sie bereits nach kurzer Einarbeitung mühelos bedient werden können. Abschließend ist noch hervorzuheben, dass unsere Technologie auf einer hardwareunabhängigen Konfiguration basiert, die Unterwasserfahrzeuge von heute in autonome Inspektionssysteme von morgen verwandelt.
Welchen Herausforderungen stellt sich Subdron bei Entwicklung?
Vonach: Unsere größte Herausforderung bestand darin, ein präzises Positionierungs-und Navigationssystem zu entwickeln, um die Unterwasserroboter vollständig autonom einzusetzen. Das gesamte System scannt die Umgebung in einem 360-Grad-Radius und ist mittlerweile in der Lage, sich Schiffsrümpfen und Unterwasserstrukturen mit einer Genauigkeit im Zentimeterbereich zu nähern. Diese einzigartige Fähigkeit der Nahfelderfassung ermöglicht die Analyse von Details mit einer bisher unerreichten Exaktheit und Tiefe, die durch die kontinuierlich zunehmenden Datenmengen in unserer Cloud immer genauer werden.
Können Sie einen Überblick über den Stand der Entwicklung geben?
Vonach: Aktuell befinden wir uns in einer intensiven Phase, in der die Erstellung von 3D-Karten im Mittelpunkt steht, die – wie bereits erwähnt – das Fundament unserer Lösung darstellen. Wir arbeiten dabei eng mit Early Adoptern zusammen und stehen mit etwa 10 Prozent der weltweiten zertifizierten Tauchinspektionsunternehmen in Kontakt, was bei einer Gesamtzahl von rund 500 dieser Firmen eine signifikante Reichweite darstellt. Zudem testen wir unsere Unterwasserfahrzeuge im Hamburger Hafen, wo wir bereits wertvolle Daten der MS Bleichen sammeln konnten. Durch diesen Austausch sind wir in der Lage, die Anforderungen des Marktes und die Bedürfnisse zukünftiger Nutzer genau zu verstehen. Um ein möglichst breites Spektrum an Erfahrungen zu sammeln, suchen wir derzeit auch die Zusammenarbeit mit weiteren Branchenakteuren, einschließlich Schiffseignern, Reedereien und Hafenbetreibern. Wir haben bereits eine Tochtergesellschaft in Portugal gegründet, um dort die Datenverarbeitung weiterzuentwickeln und unsere Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut INESC TEC zu intensivieren. Die Expertise von Wissenschaftlern, darunter auch die des Fraunhofer-Instituts, spielt eine zentrale Rolle. Sie unterstützen uns, technische Herausforderungen zu bewältigen und unsere Entwicklungen gezielt voranzutreiben.
Wann werden die Unterwasserfahrzeuge von Subdron verfügbar sein?
Vonach: Wir sind aktuell in der Lage, Hafenmauern für die Hafenbehörden mit höchster Genauigkeit in 3D zu kartografieren. Ebenso können wir den flachen Bodenbereich, inklusive des Schlingerkiel und des Bilgeradius, sowie die vertikalen Seitenwände mit hoher Präzision vermessen. Dies wird auch eine entscheidende Rolle bei der Prävention von Havarien sowie beim Aufspüren von Schmuggelwaren spielen. Die vollständige dreidimensionale Erfassung von Schiffsrümpfen streben wir innerhalb der nächsten zwei Jahre an.
Kontaktinformationen - Subdron
Für Anfragen an Subdron, das Deep Tech-Startup mit Sitz am Bodensee in Österreich, stehen Ihnen folgende Kontaktdaten zur Verfügung:
E-Mail: info@subdron.com
Telefon: +43 664 923 8226
Hauptbüro: Hoheneggerstrasse 14, 6923 Lauterach, Österreich