Nico Dettmann

BV-Gesicht
NICO DETTMANN
 
NC Business Development Manager

Champagner unter Segel

 

Schiffsneubau zwischen Innovation und Kalkulation

 

Wer heute ein Schiff bestellt, entscheidet über 30 Jahre Wirtschaftlichkeit – unter Rahmenbedingungen, die sich schneller verändern als je zuvor. Seit Jahresbeginn verantwortet Nico Dettmann bei Bureau Veritas (BV) das Neubaugeschäft im Bereich Marine & Offshore in Central Europe. Er begleitet Projekte von der ersten Entscheidung bis tief in die Bauphase hinein – als Bindeglied zwischen Werft, künftigen Eignern und den internationalen BV-Teams.

 

„Früher hat man ein Schiff hauptsächlich nach technischen Kriterien bestellt“, sagt Dettmann. Tragfähigkeit, Geschwindigkeit, Verbrauch. Heute komme ein Faktor hinzu, der sich kaum seriös durchrechnen lasse: die langfristige CO-Bepreisung. „Ein Schiff fährt 30 Jahre 15 Knoten. Aber was eine Tonne CO in 20 Jahren kostet, weiß heute niemand.“ Diese Unsicherheit bremst Investitionen – und öffnet gleichzeitig Raum für neue Konzepte. Windantrieb gehört dazu. Für Dettmann jedoch ohne romantische Verklärung: „Es wird eine Nische bleiben.“

 

Windkraft: Mehr als nur Romantik?

 

Die Bandbreite reicht von Assistenzsystemen bis zu segelgestützten Hauptantrieben. Doch mit dem Segel kommen operative Fragen: Ein solches Schiff „liegt immer schräg“. Was bedeutet das für Hauptmotor und technisches Equipment? Wie verhält es sich im Hafenbetrieb? Welche Einschränkungen entstehen durch die Segelflächen?

Dennoch entstehen Geschäftsmodelle, die Wind tragen – und ihn mit ins Marketing integrieren: Champagner unter Segel. „Ob die Flasche ein paar Tage länger unterwegs ist und am Ende 100 oder 105 Euro kostet, ist dem Käufer egal“, sagt Dettmann. Der Transport wird Teil der Erzählung und Nachhaltigkeit Teil des Produkts.

Wind ist aber nur ein Baustein in einem deutlich größeren Bild. „Jedem in der Branche ist mittlerweile klar: Es wird nicht den einen Brennstoff geben“, so Dettmann. Unterschiedlichste Antriebskonzepte werden parallel geprüft – abhängig von Route, Einsatzprofil und regulatorischem Umfeld. „Neubauentscheidungen müssen deshalb technologische Optionen offenhalten, statt sich frühzeitig auf eine einzige Lösung festzulegen.“

Je mehr Technologien sich parallel entwickeln, desto wichtiger wird es, Orientierung zu geben und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionsentscheidungen zu schaffen. Die Frage im Neubau lautet deshalb nicht mehr: Welcher Antrieb setzt sich durch? Sondern: Wie lassen sich unter unsicheren Vorgaben tragfähige Optionen entwickeln? Technologische Entscheidungen sind heute untrennbar mit regulatorischen Entwicklungen verknüpft – und damit mit der wirtschaftlichen Zukunft eines Schiffes.

SEINE KONTAKTDATEN:

E-Mail: nico.dettmann@bureauveritas.com