BV-BOOTSCHAFTER
Rolf Stiefel, Regional Chief Executive Central Europe
Innovation, Internationalität und Kooperation
Neues von der SMM 2024
Alle zwei Jahre treffen sich die Stakeholder der maritimen Industrie aus der ganzen Welt in den Hamburger Messehallen, um sich in lockerer Atmosphäre zu den Marktgeschehnissen auszutauschen, globale Kompetenzen zu bündeln und Grundsteine für neue Projekte zu legen. Rolf Stiefel, Regional Marine Chief Executive Central Europe bei Bureau Veritas, teilt seine Eindrücke von der SMM 2024.
„Die Aussteller auf der diesjährigen SMM haben bewiesen, dass sich in den letzten sechs Jahren viel getan hat. Wir sind besser aufgestellt, als so mancher glaubt. Insbesondere im technologischen Bereich ist die Branche gut vorbereitet, um die Ziele der International Maritime Organization (IMO) umzusetzen“, sagt Rolf Stiefel. An den Ständen, aber auch in den Panels, Vorträgen und Diskussionsrunden standen Dekarbonisierung und Digitalisierung im Fokus. Aber auch das Thema „Wind Assistant Propulsion“ gewinnt immer mehr an Bedeutung. Rolf Stiefel: „Wir erkennen einen signifikanten Herstellerzuwachs von Windantriebssystemen, die leichter zu bedienen und zu integrieren sind. Projekte wie das hybride Frachtschiff CANOPÉE leisten heute bereits einen wesentlichen Beitrag zu einer emissionsfreien maritimen Zukunft. Viele weitere Aufträge sind in der Pipeline.“
In der Diskussion um alternative Treibstoffe bleibt vor allem die Frage nach der Verfügbarkeit noch unbeantwortet. Insbesondere Schiffe, die keine festen Routen befahren, müssen auf eine gut ausgebaute Infrastruktur für die Betankung zurückgreifen können. Fossile Brennstoffe bleiben somit für viele vorerst die günstigste Energie, um Flotten effizient betreiben zu können. Doch neue Auftragsplatzierungen zeigen, dass bereits jetzt viele Schiffe mit der Möglichkeit geordert wird, zwei unterschiedliche Kraftstoffe zu tanken. Die Produktion von Hybriden, die zukünftig auch alternative Treibstoffe nutzen können, nimmt demnach zu.
„Mit Blick auf den Kurs in eine emissionsfreie Zukunft hat die Industrie in den letzten Monaten positive Fortschritte gemacht. Immer mehr technische, nachhaltige Lösungen kommen auf den Markt, die auch aus wirtschaftlicher Sicht für die Reedereien und Schiffseigner umsetzbar sind. Einziger Knackpunkt: Es fehlen noch immer klare Regularien“, betont Stiefel und ergänzt: „Es herrscht Aufbruchsstimmung auf dem Markt. Technologien, die Prozesse optimieren und dem Mangel an qualifizierten Fachpersonal entgegenwirken, stehen kurz vor der breiten Anwendung. Die Experimentier- und Innovationsfreudigkeit, neue Möglichkeiten auszuprobieren ist da, sofern die richtigen Rahmenbedingungen gegeben sind. Für den finalen Schritt in die Nachhaltigkeit braucht die Schifffahrt nun ein geltendes Regelwerk, das über die Ländergrenzen wirkt und dem technologischen Fortschritt gerecht wird.“
Internationale Kooperationen fördern zusätzlich die Weiterentwicklung der maritimen Industrie weltweit. Erfreulich ist auch, dass Werften und Zulieferer aus Korea, Japan und China in immer stärkerem Maße als Impulsgeber fungieren. „Es war schön zu sehen, dass auch asiatische Player in der Marine- und Equipment-Industrie nach vier Jahren Corona-Pause wieder in starker Zahl zu uns nach Hamburg gekommen sind.“ Wirft man einen Blick auf den Schiffbau lässt sich erkennen, dass die vorhandenen Kapazitäten in vielen Ländern um ein Vielfaches überstiegen wurden. Es müssen neue Standorte erschlossen werden, die nicht nur für den Neubau, sondern auch für die Verschrottung von Schiffen eine Rolle spielen können. Länder wie Indien und Afrika sind hier vielversprechend. Auch das Konzept des Retrofits bestehender Flotten gewinnt zunehmend an Interesse.
Deutschland bleibt als Schiffbaustandort zwar weiterhin ein Sorgenkind. Doch der deutsche Markt verlagert seine Spezialisierung zunehmend auf den Bau besonderer Typen wie Forschungsschiffe oder Offshore-Anlagen. Damit leistet die Bundesrepublik auch in Zukunft weiterhin einen wichtigen Beitrag zum Fortschritt der maritimen Branche auf globalem Level.
Um die Null-Emissions-Ziele der IMO zu erreichen, ist es entscheidend, dass alle Stakeholder zusammenarbeiten und sich austauschen. „Als Klassifikationsgesellschaft begleiten wir nicht nur den sicheren Einsatz der Technologien, sondern unterstützen unsere Kunden bei allen Prozessen entlang der Wertschöpfungskette eines Schiffes – von Konzeption, über den Bau und Betrieb bis hin zur Verschrottung“, erinnert Rolf Stiefel und endet, dieses Statement untermauernd, mit dem Messeslogan von BV: „We’re by your side.“
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