BV-BOOTSCHAFTER
RAMONA ZETTELMAIER
M&O Central Europe Director
Impulse aus Emden: Warum maritime Sicherheit auch eine Kompetenzfrage ist
Emden war Ende April mehr als ein Ort für den Branchenaustausch. Die 14. Nationale Maritime Konferenz hat deutlich gemacht, wie stark die Schifffahrt inzwischen in den Mittelpunkt politischer sowie wirtschaftlicher Fragen rückt. Rund 800 Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik und Verbänden kamen zusammen; eröffnet wurde die Konferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Im Fokus standen Wettbewerbsfähigkeit, maritime Sicherheit und Zukunftstechnologien.
Die Botschaft war klar: Schifffahrt ist kein Randthema. Sichere Seewege, stabile Lieferketten und leistungsfähige Häfen sind Voraussetzungen für Export, Energieversorgung, industrielle Wertschöpfung und Planbarkeit. Verkehrsminister Patrick Schnieder machte das am Beispiel der Straße von Hormus deutlich; Reiche brachte es auf den Punkt: Ohne verlässliche Lieferketten und freie Schifffartsrouten funktioniert unsere Wirtschaft nicht.
Wie diese Handlungsfähigkeit in der Praxis gewährleistet werden kann, stand bereits am Vortag im Mittelpunkt. Das Deutsche Maritime Zentrum diskutierte unter dem Titel „Resilienz braucht Kompetenz“ die Rolle von Fachkräften für maritime Souveränität. Ich habe dort am Panel „Fachkräfte für die maritime Zukunft“ teilgenommen. Der Kern der Diskussion: Der Engpass liegt nicht nur in der Zahl der Fachkräfte, sondern vor allem in der Geschwindigkeit des Wandels. Neue Technologien, Cybersecurity, alternative Antriebe und Dekarbonisierung verändern die Anforderungen schneller, als Qualifikationen nachziehen können.
Genau darin liegt zugleich eine Chance. Denn die Branche arbeitet an Themen, die für Talente hochrelevant sind – nur werden sie außerhalb der Fachwelt noch zu selten sichtbar. Wer zeigen will, warum die Schifffahrt Zukunft hat, muss deshalb nicht nur über Fachkräftesicherung sprechen, sondern auch die Aufgaben, Technologien und Verantwortung sichtbar machen, die diese Branche prägen.
Die Impulse aus Emden führen für mich zu einem klaren Punkt: Die Geopolitik schreibt neue Regeln – und damit neue Anforderungen an die Branche. Deutschland braucht die Schifffahrt. Und die Schifffahrt braucht Menschen, die sich für ihre Zukunftsthemen begeistern, Kompetenzen aufbauen und dazu beitragen, dass maritime Handlungsfähigkeit auch unter neuen Bedingungen gesichert bleibt.