Britta Schulz

BV-BOOTSCHAFTER
 
Britta Schulz, 
Head of Environment, North Europe

MEPC 83: Mehr Klarheit – aber (noch) keine Sicherheit

Die auf der 83. Sitzung des MEPC-Ausschusses (MEPC 83) der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) in London beschlossenen Maßnahmen u.a. zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen markieren einen wichtigen Schritt für die Klimaziele in der Schifffahrt. Der aktuelle Entwurf soll zwar frühestens im Oktober 2025 formal verabschiedet werden, das Inkrafttreten wäre ab 2027 möglich. Ungeachtet der offenen Beschlusslage ist der Handlungsbedarf unbestritten. Die Branche braucht dringend einen weltweit einheitlichen Regulierungsrahmen. Nationale oder regionale Alleingänge machen die Umsetzung für international tätige Reedereien sehr komplex. Das IMO Net-Zero Framework Paket schafft damit vor allem eines: mehr Planbarkeit in einem Umfeld, in dem Flottenentscheidungen für Jahrzehnte getroffen werden.

Doch es bleiben zentrale Unsicherheiten. Zunächst muss der Entwurf im Oktober 2025 in London formal verabschiedet werden. Während große Reedereien längst Strategien entwickeln, fehlt es vielen kleineren Akteuren oft an Ressourcen, verfügbarer Technik und der Zeit, sich gezielt auf neue Anforderungen vorzubereiten. Doch wer abwartet, riskiert ab 2027 spürbare Nachteile.

Dabei ist aus Umweltsicht klar: Das Paket ist notwendig. Aber Wirkung entfaltet es nur, wenn von der Bunker- Infrastruktur über die Treibstoffverfügbarkeit bis hin zu den Motoren die Voraussetzungen erfüllt sind. Fest steht auch: Es wird keine Standardlösung für alle geben, sondern individuelle Lösungen abhängig vom Schiffstyp, Schiffsgröße, Operating Profile, Routing etc. Startpunkt sind operative Energieeffizienzmaßnahmen, um den Verbrauch der Schiffe zu senken. Dann braucht es eine Entscheidung in puncto alternativer Kraftstoffe und Technologien, um die Emissionen zu senken. Hinzu kommt ein oft unterschätzter Aspekt: die Crew. Neue Treibstoffe (z.B. Methanol, Wasserstoff, Ammoniak etc.) und Technologien wie Batterien oder Brennstoffzellen erfordern neue Kompetenzen sowohl an Bord der Schiffe als auch in den Reedereien an Land bei gleichzeitig sinkender Zahl qualifizierter Fachkräfte. Der Schulungsbedarf steigt, und wer hier nicht frühzeitig investiert, gefährdet langfristig den Betrieb.

Wenn die MEPC-Beschlüsse greifen, entsteht erstmals mit der Schifffahrt eine global gültige Klimaregelung. Ein Novum – mit weitreichenden Folgen. Entscheidend ist jedoch nicht der Text auf dem Papier, sondern die Bereitschaft zur Umsetzung. Wer vorbereitet ist, wird davon profitieren.

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