Gefahrstofflagerung – „Eine Herausforderung für Brandschutzkonzeptersteller?“

11/07/14

Was sich für Brandschutzkonzeptersteller zunächst als erhöhte Brandlast, Umwelt- und Personengefährdung darstellt, ist für viele Betreiber unabhängig von der Größe oder Branche eines Unternehmens bei der Herstellung und der Funktion vieler Produkte und Betriebsmittel meist ein unentbehrliches Mittel – eine Substitution nicht möglich.

Das Spektrum gefährlicher Stoffe und Zubereitungen ist enorm. Über ein Duzend Gefährlichkeitsmerkmale können die Eigenschaften der Gefahrstoffe variieren. Letztendlich sind es betriebsspezifische Parameter, die beeinflussen welche Gefahrstoffe im Betrieb genutzt und in welcher Lagermenge diese bereitgehalten werden.

Bei Neubauten, Nutzungsänderungen oder im Rahmen des bauordnungsrechtlichen Genehmigungsverfahrens, kann ein betriebsspezifisches Brandschutzkonzept für Gefahrstofflager gefordert werden. Der Betreiber hat hierbei eine besondere Fürsorgepflicht und steht in der Verantwortung eine sachgerechte Lagerung der Gefahrstoffe zu realisieren, um die resultierende Gefährdung auf einem akzeptablen Niveau zu halten.

Um die Lagerung von Gefahrstoffen beurteilen zu können, wird gemäß § 6 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) eine Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung vorausgesetzt. In der Praxis entsteht oft das Problem, das dem Betreiber nach § 6 Absatz 9 GefStoffV die entsprechende Fachkenntnis zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung fehlt und infolgedessen kein risikogerechtes Konzept erstellt werden kann. Folglich werden externe Dienstleister beauftragt sich mit dem Sachverhalt auseinanderzusetzten.

Der Konzeptersteller hat dabei eine Fülle an Gesetzen, Verordnungen, technischen Regeln und Normen im Zusammenhang mit der Konzipierung von Gefahrstofflagern zu beachten (Tabelle 1). Der bisherige Lösungsansatz sieht vor, dass der Konzeptersteller alle einschlägigen Regelwerke überprüfen muss, um die entscheidenden Maßnahmen für die geplante Lagerung ermitteln zu können. Ein großer zeitlicher Aufwand zur Realisierung eines solchen Vorhabens ist für den Konzeptersteller die Folge.

Im Rahmen des Bachelorstudienganges „Security and Safety Engineering“ an der Hochschule Furtwangen wurde in Kooperation mit der Bureau Veritas Construction Services GmbH die Bachelorthesis mit dem Thema„Leitfaden zur Gefahrstofflagerung in gesonderten Bereichen zur Unterstützung der Ersteller von Brandschutzkonzepten“ verfasst. Die Arbeit beinhaltet Maßnahmen zur passiven Lagerung gefährlicher Stoffe und Zubereitungen in ortsbeweglichen Behältnissen. Der Anwendungsbereich umfasst Tätigkeiten beim Ein- und Auslagern sowie den Transport von Gefahrstoffen innerhalb des Lagers. Maßnahmen die im Leitfaden dargestellt werden, richten sich insbesondere nach fest definierten Schutzzielen. Der Leitfaden berücksichtigt in seinem Maßnahmenumfang die Interessen des Brandschutzes.

Ziel der Bachelorthesis ist es, eine vereinfachte Vorgehensweise zur Ermittlung der entscheidenden Maßnahmen aus den einschlägigen Regelwerken in einem Leitfaden zusammenfassend darzustellen und dadurch den Konzeptersteller bei der Konzeption und Bewertung von Gefahrstofflagern zu unterstützten.

Die Bachelorthesis besteht aus zwei Dokumenten. Das Hauptdokument behandelt die einschlägigen Regelwerke, grenzt dieses ab und beschreibt allgemeine Hinweise die zum Verständnis der Arbeit beitragen. Der Leitfaden beinhaltet ein Beurteilungsschema, bestehend aus Ablaufdiagrammen und einem Maßnahmenkatalog. Anhand eines festgelegten Prozesses wird der Konzeptersteller über den Maßnahmenumfang für die geplante Lagerung der Gefahrstoffe informiert.

Der Betreiber stellt dem Konzeptersteller zunächst bestimmte Inputparameter zur Verfügung. Inputparameter sind im Leitfaden festgelegte Kenngrößen, wie beispielsweise Gefahrstoffmerkmale, Lagermenge und Lagerbereich. Mit Hilfe dieser Rahmenbedingungen, wird im Leitfaden auf ein entsprechendes Ablaufdiagramm verwiesen. Innerhalb des Ablaufdiagrammes wird wiederum Bezug auf den Maßnahmenkatalog genommen. Dieser beinhaltet die erforderlichen Maßnahmen zur geplanten Gefahrstofflagerung.

In Abhängigkeit von Mengenschwellen und der Eigenschaften der Gefahrstoffe muss der Konzeptersteller „Standardmaßnahmen“ und „Besondere Maßnahmen“ überprüfen. Diese unterscheiden sich in ihrem Maßnahmenumfang. So sind beispielsweise besondere Maßnahmen zur Löschwasserrückhaltung für wassergefährdende Stoffe ab einer festgelegten Menge zu treffen. Neben den Standard- und besonderen Maßnahmen besteht immer die Möglichkeit „individuelle Maßnahmen“ vom Konzeptersteller betriebsspezifisch zu ermitteln. Individuelle Maßnahmen müssen dabei den Anforderungen der Standard- und besonderen Maßnahmen genügen.

Anforderungen des baulichen-, anlagentechnischen- und organisatorischen Brandschutzes können somit als Ergebnis abgeleitet werden. Lagerbereiche und Gefährlichkeitsmerkmale sind in Kombination mit der Lagermenge ausschlaggebend für die Festlegung des Maßnahmenumfangs. Mit Hilfe des „Leitfaden für die Zusammenlagerung von Chemikalien“ des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) können Gefahrstoffe anhand ihrer Gefährlichkeitsmerkmale Lagerklassen zugeordnet werden. Dies ist bei der Zusammenlagerung mehrerer Gefahrstoffe unterschiedlicher Lagerklassen in einem gemeinsamen Lagerbereich maßgebend. Zusammenlagerungsverbote bestimmter Lagerklassen und Mengenbeschränkungen sind dabei zu überprüfen. Im Leitfaden wurde die Möglichkeit der Zusammenlagerung berücksichtigt.

Zur Unterstützung des Konzepterstellers wurde ein Erfassungsformular entwickelt, das bei der Verwendung des Leitfadens als anwenderfreundliches und übersichtliches Hilfswerkzeug dient. Weiterhin kann das Formular als Dokumentationsnachweis genutzt werden.

Aktuell umfasst der Leitfaden Brandschutzmaßnahmen die insbesondere aus den Technischen Regeln für Gefahrstoffe – Teil 510 (TRGS 510) extrahiert wurden. Der Leitfaden ist in seiner Struktur so aufgebaut, dass er beliebig erweitert werden kann.

Der Leitfaden unterstützt den Konzeptersteller effizient durch seine standardisierte Vorgehensweise. Dadurch wird der Prozess der Konzeption und Bewertung von Gefahrstofflagern verkürzt. Durch die vollständige Einbindung der TRGS 510 in den Leitfaden, kann ein gewisser Qualitätsstandard erzielt werden.


Tabelle 1: Regelwerke zur Lagerung gefährlicher Stoffe und Zubereitungen

 

 Quelle: Eigene Darstellung

Andreas Sütterlin, B.Sc.
Projektleiter
Bureau Veritas Construction Services GmbH, Speyer

 

Download:

„Leitfaden zur Gefahrstofflagerung in gesonderten Bereichen zur Unterstützung der Ersteller von Brandschutzkonzepten“

 

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Gastbeitrag von Prof. Dr. phil. nat. Stephan Lambotte (Hochschule Furtwangen, Dekan der Fakultät Gesundheit, Sicherheit, Gesellschaft, Security & Safety Engineering)

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