Aufzüge als barrierefreie Rettungswege

16/04/18

Bisher war es gängige Praxis, bei der Konzeptionierung der vertikalen Fluchtmöglichkeiten innerhalb eines Gebäudes die Aufzüge nicht zu beachten, da die Arbeitsstättenverordnung ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“ vorschreibt, dass Aufzüge in Rettungswegen unzulässig sind. Doch wie geht man in der Zukunft mit einer immer älter werdenden Gesellschaft um, für die die Selbstrettung über die notwendigen Treppen eines Gebäudes nicht mehr möglich ist?

Dieses Problem besteht nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Menschen mit Behinderungen. Ende 2015 lebten rund 7,6 Millionen Menschen mit einer körperlich stark einschränkenden Behinderung in Deutschland. Aufzüge sind für diese Menschen ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens und sind vom Gesetzgeber daher im Zuge der Barrierefreiheit für viele Gebäudenutzungen vorgeschrieben. Bislang wurde die Barrierefreiheit jedoch nicht auf die Möglichkeit zur Selbstrettung übertragen. Auf diesen Missstand wurde von der europäischen Union mit dem Report „Ein hindernisfreies Europa für alle“ (2010) hingewiesen. Dort wurde auch eine einheitliche europäische Regelung zu Fluchtmöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen gefordert. Hierfür sind Aufzüge prädestiniert, da sie nutzungsbedingt die vertikale und barrierefreie Erschließung eines Gebäudes sicherstellen. Regelungen zur Selbstrettung über Aufzüge gab es bis zur VDI 6017 „Brandfallsteuerung für Aufzüge“ im Jahre 2015 jedoch kaum.

Brandschutz - Aufzüge als barrierefreie Rettungswege

Die VDI 6017 baut auf dem Vorhandensein einer Brandmeldeanlage und einer Brandfallsteuerung der Aufzüge des betreffenden Gebäudes auf. In Kombination beider Anlagen soll eine Verlängerung der Betriebsdauer der Aufzüge nach Brandmeldung unter bestimmten Voraussetzungen erreicht werden. Dazu wurden vier Stufen definiert:

Stufe A

Sofortiges Auslösen der Brandfallsteuerung nach einer Brandmeldung (keine verlängerte Betriebsdauer)

Stufe B

Begrenzter Weiterbetrieb der Aufzüge bei einem unkritischen Brandereignis

Stufe C

Evakuierungsaufzug gemäß DIN CEN/TS 81-76 bzw. DIN SPEC 69281-76

Stufe D

Feuerwehraufzug gemäß DIN EN 81-72

Zur Umsetzung des Prinzips der Barrierefreiheit im Rahmen des Brandschutzes und der Ermöglichung der Selbstrettung von Menschen mit Behinderung ist die Stufe B maßgebend.

Für die Umsetzung der Stufe B sind bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen, die eine Gefährdung von Personen bei Weiterbetrieb der Aufzüge ausschließen. 

 

Übersicht der Maßnahmen für Aufzüge der Stufe B

Im Folgenden sind die Voraussetzungen und Anforderungen der VDI 6017 aufgelistet, die für einen begrenzten Weiterbetrieb der Aufzüge notwendig sind:


Bauliche Maßnahmen

Technische Maßnahmen

Organisatorische Maßnahmen

Ausbildung eines abgetrennten Aufzugsvorraumes mit Verbindung zu einem notwendigen Treppenraum

Lage des Aufzugs im notwendigen Treppenraum





Flächendeckende, automatische Brandmeldeanlage

Brandfallsteuerung der Aufzüge

Sicherstellung der Energieversorgung, ggf. mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (ohne Korrekturfahrt)

Ausreichende Schnittstellen zu anderen sicherheitstechnischen Anlagen und Einrichtungen

Ausführliche Brandfallsteuermatrix

Aufstellen einer objektspezifischen Gefährdungsanalyse

Festlegung von kritischen Brandereignissen






Besonders hervorzuheben sind hier die organisatorischen, bzw. planerischen Leistungen. Hier muss eine genaue Abstimmung zwischen dem Brandschutzfachplaner, dem Ersteller der Brandfallsteuermatrix, dem Errichter der Aufzugsanlagen und dem Bauherren erfolgen. Es ist dabei auf Grundlage der objektspezifischen Gefährdungsanalyse festzulegen unter welchen Kriterien ein Weiterbetrieb der Aufzüge nicht mehr möglich ist. Die kritischen Brandereignisse sind bei der Planung von Aufzügen der Stufe B also ein zentraler Punkt.

Kritische Brandereignisse können gemäß VDI 6017 sein:

    • Auslösen mehrerer räumlich getrennter Brandmelder oder Meldergruppen
    • Feuer oder Rauch im Aufzugsvorraum, Aufzugsschacht oder sonstigen zugehörige technischen Betriebsräumen
    • Störung der Energieversorgung

Brandschutz in Aufzügen

Fazit

Die technischen und normativen Möglichkeiten zur Sicherstellung der Selbstrettung von stark mobilitätseingeschränkten Personen stehen mit der VDI 6017 den am Bau Beteiligten zur Verfügung, wodurch die zeitlich begrenzte Nutzbarkeit der Aufzüge im Brandfall zum Stand der Technik gehört. Die Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden kann mit den genannten baulichen und technischen Maßnahmen im Rahmen des Brandschutzkonzeptes und dem entsprechendem planerischem Aufwand umgesetzt werden. Die Flucht von mobilitätseingeschränkten Nutzern im Brandfall in vorerst sichere Bereiche (anderer Brandabschnitt) scheint damit nicht mehr notwendig. Mit dem Eintreten eines kritischen Brandereignisses hat jedoch auch ein Aufzug der Stufe B seine Grenzen und fällt als erster Rettungsweg aus. In diesem Fall wären Menschen mit Behinderungen wiederum auf den zweiten Rettungsweg angewiesen, der womöglich eine für diese Menschen nicht benutzbare notwendige Treppe darstellt. Zur Vollständigen Umsetzung der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen muss also auch am zweiten Rettungsweg ein Aufzug der Stufe B zur Verfügung stehen. Hier wäre wiederum zu beachten, dass es in einem solchen Gebäude keine kritischen Brandereignisse geben darf, die beide Aufzüge gleichzeitig betreffen. Dies ist mit genügend planerischem Aufwand und einer guten Abstimmung zwischen allen Beteiligten aus Verfasser Sicht jedoch möglich.

Die VDI 6017 stellt eine gute Grundlage zur Planung der Selbstrettung von mobilitätseingeschränkten Personen zur Verfügung, jedoch bleibt eine Fragestellung offen - um welchen konkreten Zeitraum kann die Nutzbarkeit der Aufzüge im Brandfall sichergestellt werden? Diese Festlegung obliegt den Erstellern der objektspezifischen Gefährdungsanalyse und wird wohl den schwierigsten Teil der Planung solcher Aufzüge darstellen.

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